VII. Kapitel Neue Schatten




Seit Beginn der Welt wird das schwarze Buch geschrieben. In ihm stehen alle Geschichten der Vergangenheit. Einige Menschen glauben sogar, dass nur das geschieht, was der Hüter des Buches hineinschreibt und nicht andersherum.

VII. Kapitel Neue Schatten

Beitragvon Der Schreiber » Di 12. Okt 2010, 22:36

Die große Zerstörung zerriss die Welt. Die Kontinente, durch Neroks Macht schon vorher stark beschädigt, trieben durch das Beben weit weg von Sagon. Zu weit für Schiffe und selbst für Drachen. Nur einige wenige Inseln des östlichen Kontinentes blieben zurück und bildeten die toresischen Inseln, deren Bewohner später grausame Piraten und Halsabschneider werden sollten. Auch Thúlland brach von Sagon ab, doch obwohl das Meer dort wild und tückisch war, war es doch noch befahrbar.

Doch viel wichtiger war die Tatsache, dass durch das Eingreifen der Götter die Magie in Sagon scheinbar versiegt war. Die Magier waren nicht mehr in der Lage, Zauber zu wirken oder ihre Astralen zu kontrollieren. Auch die Roduok, die jetzt keinen Grund mehr sahen, für die Magier zu kämpfen, wendeten sich gegen sie. Innerhalb weniger Jahre hatten die Aufständigen die Magier fast vollkommen besiegt. Verzweifelt flüchteten ein paar Magier mit ihren Söldnern nach Norden und versuchten, die Überlebenden der Druiden, die als einzige noch Magie wirken konnten, auf ihre Seite zu ziehen. Als diese sich weigerten, schickten die Magier ihre Söldner gegen die Druiden in die Schlacht. Während diese dadurch abgelenkt waren, schlichen die Magier mit einigen wenigen Söldnern zum Weltenbaum und aßen von dessen Wurzeln. Sie dachten, dass sie dadurch wieder Magie erlangen würden, denn immerhin war der Weltenbaum ein Quell der Magie. Doch die Magie des Weltenbaumes war zu stark für sie. Sie veränderte die Körper derer, die von ihr aßen, und machte sie zu Wesen teils Ratte teils Mensch. Unfähig, jemals wieder Magie zu wirken flohen die Rat’zics, wie sie sich später nannten, unter die Erde bevor die Druiden sie fanden. Dort errichteten sie versteckt in den alten Schächten der Zwerge ihre Siedlungen, von denen Ratwill die größte war.

Aber auch andernorts veränderte das Fehlen der Magie Sagon. Die Phönixe hatten seit Ruus sie aus Flammen geschaffen hatte sich stets mit Magie in ihrer Welt gehalten. Denn ihre Seelen konnten sich kaum in der Welt der Sterblichen halten. Als aber die Magie versiegte, gingen viele Phönixe auf der Stelle zu Ruus zurück. Nur jene, die schon vorher eine Seelensymbiose mit den Menschen eingegangen waren, blieben in der Welt, denn die Menschen waren für sie wie ein Anker, der sie festhielt. Bald schon entwickelte sich aus dieser Symbiose notgedrungen ein eigenes Volk. Das Volk der Phönixmenschen, welches bei der Geburt eines neuen Phönix einen Menschen auswählt, der eine Symbiose mit dem Phönix eingeht.

Nachdem die Magier besiegt waren entbrannte ein neuer Krieg. Die Führer der Revolution waren uneins, was die Zukunft Sagons betrifft. Alte Fehden, die für die Revolution vergessen wurden, brachen wieder hervor. Die stämmigen Krieger des Nordens besiedelten das Land im Nordwesten und nannten sich fortan Fjelkyster, die Thúlländer, die von der Herrschaft der Magier profitiert hatten, isolierten sich von den anderen Menschen in Thúlland und forschten dort nach den Gründen des Verschwindens der Magie. Die Sargonier, welche eigentlich ein einheitliches Reich erhofft hatten, besiedelten die größten Länder Sagons, doch zerstritten sich die ehemaligen Führer der Revolution so stark untereinander was die Herrschaftsfrage betraf, dass schließlich die Sargonier die drei Königreiche Lysemien, Middarion und Merkria gründeten. Die Ostländer gliederten sich schnell in den Reichen der Gorgonen und der Anub ein und die Rochtaren wählten das heutige Rochtalf als ihre Heimat. Karsien, einst heiliges Land, aus dem die Menschen erstarkt und mit den Fünf an ihrer Seite hervorkamen, war aber für die Menschen schnell verloren. Die wenigen, die sich dort niederließen, musste schon bald den immensen Truppen der Roduok weichen, die sich aus einem unerfindlichen Grund diesen Landstrich als ihre neue Heimat auserkoren hatten, weichen. Diese errichteten dort dunkle Tempel und Städte voller Gewalt und Tod.

Auch wenn es vielen Menschen unangenehm war, es zuzugeben, aber erst im Jahre 537 n.g.Z. verbesserte sich die Lage wieder. Denn zu diesem Zeitpunkt kehrte die Magie wieder in die Welt zurück. Als erstes merkten es die Phönixmenschen. Sie hatten im Auftrag der neu erstarkten Kirche des Schöpfers die Jagd auf Vampire begonnen. Diese konnten zum damaligen Zeitpunkt auch keine Magie wirken, da sie die von ihren Opfern stahlen, aber sie vermehrten sich dennoch stark und waren eine große Gefahr. Mit der Rückkehr der Magie aber waren die Phönixmenschen, von denen noch die meisten die Feuermagie beherrschten, im klaren Vorteil und rotteten die Vampire fast vollständig aus. Langsam kehrte die Magie auch zu den anderen Völkern wieder zurück. So wurde im Jahre 571 n.g.Z. die Magiergilde unter großen Protesten neugegründet. Dadurch löste sich auch teilweise das Harpyenproblem, da die Sturmschwester Okypete durch einen Handel mit der Magiergilde zumindest Frieden zwischen den Menschen und ihrem Stamm der Windfedern schuf.

Doch die Magiergilde sollte bald stark an Macht verlieren. Denn seit der großen Zerstörung entwickelte sich immer mehr eine Alternative für die Menschen heraus. Die Alchemie wurde zwar anfangs noch belächelt und als Spielereien abgetan, doch spätestens der Alchemist Jemmerick Wermon beweiste 1037 n.g.Z. das Gegenteil, als er bei der Suche nach einem Mittel gegen Tollwut versehentlich das Volk der Werwölfe schuf. Wermon wurde von seiner Schöpfung leider daraufhin getötet, aber obwohl die Alchemie dadurch keinen guten Ruf bekam wurde sie dennoch dadurch bekannt und zeigte ihr enormes Potenzial. So war es nicht weiter verwunderlich, dass 1382 n.g.Z. die Gilde der Alchemie und Technik gegründet wurde, die seit dem immer mehr an Macht hinzugewinnen sollte. C.a. 200 Jahre zuvor hatte sich zudem eine Katastrophe auf Thúlland abgespielt, welche die Thúlländer ins Exil nach Maretzien trieb, und die Nutzung der Magie noch einmal stark in Frage stellte. Die Kirche ging daraufhin sogar soweit, dass sie jedwede Magieanwendung untersagte, sofern die Magier nicht Mitglieder der Magiergilde sind. Fast alle Länder übernahmen aus Angst vor wilden Magiern dieses Gesetz, wobei allerdings in Maretzien es den Gorgonen immer noch gestattet war, Magie zu wirken, da die Magiergilde selbst nach ihrer Neugründung immer noch die Tür vor den Gorgonen verschloss. Auch Lysemien gestattete es weiterhin, dass die Harpyen Windmagie wirken.

Lange Zeit warten die Länder so den Frieden untereinander. Doch Streitpunkte und Konflikte brodelten unter dem Deckmantel des Friedens. Und ein einziger Mensch reichte aus, um sie an die Oberfläche zu tragen. So rief Nostaron III. König von Middarion im Jahre 1420 n.g.Z. das Zweite Kaiserreich aus. Er sah sich als von den Göttlichen beauftragt, die Einheit Sagons wiederherzustellen und den wahren Glauben wieder zu verbreiten. Denn nachdem die Kirche des Schöpfers nach der großen Zerstörung anfangs noch an Macht gewann, verließen schon bald einige der Nationen die Pfade der Kirche und schlossen sich anderen Religionen an. So entwickelte sich in Fjelkyst mehr und mehr der Glaube an Tier- und Naturgeister. Auch in Thúlland kam es 854 n.g.Z. zu einer Abspaltung von der gewöhnlichen Kirche. Die Thúlländer sahen in Sendel den wahren Schöpfer und alle anderen Göttlichen als seine Diener, was einen klaren Bruch zum Fünftgestirn der Kirche des Schöpfers. Aus diesen Gründen stand auch die Kirche hinter dem Kaiser und forderte alle Nationen auf, die dem wahren Glauben angehörten, Nostaron zu folgen und an seiner Seite zu kämpfen. Auch die Magiergilde sah in einem Sagon unter der Herrschaft eines Kaiseres große Vorteile. Hauptsächlich aber hofften sie so wieder die Magier von Thúlland, die mächtige Seelenmagier waren, in die Gilde zurück zuholen und wieder an Macht und Einfluss zu gewinnen.

Mit der Kraft von Kirche und Magiergilde im Rücken breitete das Kaiserreich schnell aus. Nach einem kurzen Aufbegehren in Maretzien schloss dieses Land sich 1421 n.g.Z. den Kaiser an. Enriskat ergab sich fast zeitgleich ohne dass auch nur eine Klinge gezogen wurde. Eine größere Herausforderung stellte allerdings Lysemien da. Durch Festungen wie Eisenwacht und Löwenfels war Lysemien schwer einzunehmen und das lysemische Heer war gut ausgebildet. Dennoch gelang es dem Kaiserreich, durch eine List, eine gewaltige Streitmacht und ein großes Aufgebot an Magiern Eisenwacht 1452 n.g.Z. einzunehmen. Dabei hatten sie noch vor dem Krieg einige Spione infiltriert und einen Zeitpunkt abgewartet, indem nur eine geringe Zahl an Erdmagiern die Festung bewachte. Doch obwohl nicht mehr als zwei Dutzend Erdmagier Die Festung bewachten dauerte die Belagerung zwei Jahre. Als Reaktion darauf ließ der lysemische König den Pass durch das Angdor-Gebirge verbarrikadieren, sodass die Truppen des Kaisers nicht weiter vorrücken konnten. Während sich der Krieg nun nach Fjelkyst verschob und das Heer den nordischen Barbaren entgegen trat bildeten Merkria, Thúlland, Rochtalf, Karsien und Lysemien den Bund der Freien. Anfangs sollte dieser nur ein Handelsbündniss zwischen den Ländern in Zeiten des Krieges sein, doch nachdem 1503 Fjelkyst unter der Bedingung, dass sie noch großenteils eigenständig bleiben würden, kapitulierten und der Krieg sich nun wieder verstärkt auf Lysemien konzentrierte, wurde es auch zu einem Militärbündniss ausgeweitet. Dennoch konnte Lysemien nicht dauerhaft gegen die einfallenden Truppen aus dem Norden bestehen und gleichzeitig den Pass durch das Angdor-Gebirge schützen. Dennoch konnten die tapferen Soldaten von Lysemien fast ein Jahrhundert lang die Truppen des Kaisers aufhalten. Dies lag aber auch daran, dass während das Kaiserreich im Westen kämpfte, gleichzeitig Truppen aus Merkria versuchten, in Middarion einzufallen. Dadurch musste das Kaiserreich an zwei Fronten kämpfen und konnte nicht alle Truppen gegen Lysemien werfen. Dennoch kam es im Jahre 1523 n.g.Z. dazu, dass der König von Lysemien, Herophilus IV., schließlich kapitulieren musste. Daraufhin verschob sich der Krieg wieder und erreichte nun die Grenze von Merkria, wo er bis heute tobt.

In all den Jahren gab es aber noch eine Veränderung. Ein Grauen, dass wie ein schleichendes Gift aus der Tiefe der astralen Sphären mit Nerok einst diese Welt betrat. Die Roduk sahen schon vor langer Zeit, was die Kirche des Einen bis heute läugnet. Doch mittlerweile hat dieses Gift bereits die großen Städte erreicht und überall trifft man verborgen oder offen jene, die die Wahrheit kennen. Die Wahrheit, dass es noch vier weitere, finstere Götter gibt. Lange Zeit schliefen sie, die vier Finsteren. Doch jetzt sind sie erwacht und nehmen nun ihrerseits anteil an dem Werk des Schöpfers.
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